Nach der Gründung der DDR am 7.Oktober 1949 entstand kurze Zeit später ihr Geheimdienst, das Ministerium für Staatssicherheit (MfS oder auch Stasi genannt). Durch eine Verwaltungsreform wurde die DDR in Bezirke eingeteilt. Jeder Bezirk hatte eine Bezirksverwaltung des MfS, das wiederum jeweils eine eigene Untersuchungshaftanstalt unterhielt, in denen Menschen ausschließlich wegen politischer Gründe inhaftiert wurden - in der Bezirkshauptstadt Gera das Gefängnis Amthordurchgang.


Die Gründe für eine Verhaftung durch die Staatssicherheit waren vielseitig. Wer dabei ins Visier geriet, lag im Ermessen der Machthaber. Jede Form von Kritik an der Politik des SED-Regimes wurde vom Ministerium für Staatssicherheit verfolgt und bestraft. Immer wieder wurden Menschen inhaftiert, die eine Flucht aus der DDR planten, versuchten oder als Mitwisser eingestuft wurden. Jedes individuelle kritische Verhalten und die Beteiligung an Friedens- und Umweltbewegungen wurde verfolgt und konnte zu einer Inhaftierung führen.


zelleDie Untersuchungshaft dauerte in der Regel bis zu 3 Monaten. Die Gefangenen wurden in dieser Zeit ständig verhört, um Informationen oder Geständnisse preiszugeben. Dabei wurden sie vom MfS durch unterschiedliche Methoden zermürbt und weitgehend von anderen Gefangenen isoliert. Das Schlafen war nur mit dem Gesicht zur Decke erlaubt und wurde durch ständiges An- und Ausschalten des Lichtes gestört. Die meist mehrjährigen Gefängnisstrafen mussten in den Strafgefängnissen des Landes verbüßt werden.


In der Zeit von 1952 bis 1989 wurden alleine in der Untersuchungshaftanstalt Amthordurchgang über 2.800 Menschen aus politischen Gründen inhaftiert.

 

 

Der Eisenberger Kreis (Namensgebung durch die Stasi) vereinte ab 1953 Oberschüler und Lehrlinge im konspirativen Kampf gegen das Regime. Sie riefen 1954 zum Wahlboykott auf, malten 1955 Sowjetsterne mit schwarzen Kreuzen und „Freiheit für Deutschland" an Mauern und Wände.

 
Sie verbreiteten Karikaturen von SED-Funktionären und Flugblätter, forderten Meinungs- und Pressefreiheit. Ihre spektakulärste Aktion war im Jahr 1956 der Brandanschlag gegen einen Schießstand der Gesellschaft für Sport und Technik (eine vormilitärische Ausbildungsorganisation der DDR) direkt vor Gründung der Nationalen Volksarmee (NVA).


Auch zu den Ungarnereignissen wurde mit diversen Aktionen Stellung bezogen. An der Universität Jena folgten 1956 weitere Aktivitäten. Durch Bespitzelung konnte die Staatssicherheit eingreifen und inhaftierte über 40 junge Menschen. Vom Bezirksgericht Gera wurden insgesamt 24 langjährige Zuchthausstrafen ausgesprochen.

 

 

Matthias Domaschk wurde am 12. Juni 1957 in Görlitz geboren und lebte seit 1972 in Jena. Als Jugendlicher wurde er Teil der „Tramper-Szene". Den eintönigen DDR-Alltag peppten sich Matthias und seine Freunde mit Konzerten, Partys, Wanderausflügen und Literatur auf.

Er beteiligte sich aktiv im Kreis der Jenaer Jungen Gemeinde Stadtmitte und unterschrieb 1976 eine Protestresolution gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann. Damit geriet er ins Visier der Stasi und wurde fortan überwacht. Er leistete seinen NVA-Dienst bei den Panzerschützen in Torgelow-Spechtberg ab. 1977 wurde seine Tochter Julia geboren.

Im April 1981 fuhr Matthias mit seinem guten Freund Peter Rösch zu einer Geburtstagsfeier nach Ost-Berlin. Die beiden Freunde werden im Zug festgenommen und nach einer zweitägigen Odyssee in die Untersuchungshaftanstalt am Amthordurchgang in Gera gebracht. Nach stundenlangen Verhören vermerkt ein Protokoll am 12.04.1981 den Tod des jungen Mannes. Die Stasi deklarierte seinen Tod als Suizid. Trotz jahrelanger gerichtlicher Untersuchungen und Prozesse sind die Umstände seines Todes bis heute nicht geklärt.