Nach dem Einmarsch der Roten Armee in Thüringen im Juli 1945 übernahmen die sowjetische Militärpolizei und der sowjetische Geheimdienst (NKWD) das Gefängnis. Im Rahmen der umfassenden Entnazifizierungspolitik der Alliierten diente es als regionales Auffanggefängnis. Doch auch viele Personen, denen man antisowjetische Handlungen und geheimdienstliche Aktivitäten für die Westalliierten zur Last legte, wurden nach dem Befehl des Volkskommissars für Innere Angelegenheiten der UDSSR aus politischen Gründen inhaftiert, gefoltert, später in Speziallager gebracht oder zum Tode verurteilt. Dabei genügte bereits der kleinste Verdacht, etwa der nationalsozialistischen Untergrundbewegung „Werwolf" anzugehören. Meist mit Druck und Folter wurden Geständnisse erpresst.
haftanstaltNach 1947 wurden Inhaftierungen häufig mit Wirtschaftsverbrechen" begründet. So konnten auf dem Weg der Kollektivierung der Wirtschaft, Enteignungen vollzogen werden.
Jede Form von Kritik an den Machthabern wurde nach 1950 zunehmend mit dem Paragraphen der „Boykotthetze" verfolgt. Bereits ein Witz über Stalin konnte dabei schon als „unerwünschte Kritik" bewertet und mit hohen Haftstrafen bestraft werden.

 

 

 

Alfred Hoffmann – Verhaftet und verurteilt wegen Werwolf-Verdachts

alfred hoffmann„Wir waren 11 Jugendliche im Alter von 16 Jahren und waren erschrocken, wo wir hier vor dem Gefängnis die drei Meter hohe Bretterwand gesehen haben. Hinter uns ging das Tor zu und sowjetische Soldaten mit Maschinenpistolen liefen im Gelände rum. Uns wurde Alles abgenommen [...]. In der Zelle selbst waren Matratzen drin. Eine Zwei-Mann-Zelle für vier Personen. [...] Die Vernehmungen gingen hier genauso weiter. Ab Mitternacht bis zum Morgengrauen. [...] Man hatte zum Teil eine Dolmetscherin oder einen Dolmetscher. Dann waren Soldaten mit einer Maschinenpistole im Raum und ein Offizier der Wortführer war.


Es ging immer wieder darum, dass wir Werwolf gewesen sein sollten, auch wie die anderen Geraer Jugendlichen. Alle Werwolf! Wir haben immer wieder gesagt: Wir waren nicht Werwolf. Dann ging das dementsprechend mit Schlägen los. Es gab auch ein paar kleine Schikanen, die wir miterleben mussten. Als Beispiel, auf eine Flasche setzen. Wenn du runter gefallen bist, hast du gleich wieder eine Ölung geschnappt mit dem Gewehrkolben. Dann wurdest du, wer nicht mehr laufen konnte, über den Hof geschleift in deine Zelle. Ein Klo gab es nicht, nur einen Kübel, der wurde früh und abends geleert. Schlafen durfte sich keiner legen, denn die Posten haben laufend Kontrollen durch die Spione gemacht. [...]
Am 12. Januar 1946 wurde ich zu meinem 17. Geburtstag zu 10 Jahren verurteilt. Die Verurteilung fand auch um Mitternacht statt. Wir waren zu dritt bei der Verhandlung, Einer hat zehn Jahre bekommen und der Dritte die Todesstrafe."