Gedenk- und Begegnungsstätte
im Torhaus
der politischen Haftanstalt
1933 - 1945 / 1945 - 1989

Geschichte
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Geschichte 1952 - 1989

17.Juni 1953

15.30 Uhr versuchten Wismut-Arbeiter in die U-Haft des MfS einzudringen. Ein rückwärts fahrender Kipper agierte als Rammbock gegen das bald zerstörte Außentor. Aus dem Hof der Stasi-Bezirkszentrale kamen kasernierte Volkspolizisten, die mit Stahlrohren gegen die Eindringlinge vorgingen. Dann wurde Schusswaffeneinsatz befohlen. Nach einem Warnschuss flüchteten die Menschen. Später folgte ein weiterer Angriff, der mit dem Auftauchen eines sowjetischen Panzers niedergeschlagen wurde.

Aus der Anklageschrift vom 29.06.1953 gegen Werner Gerd, Franz Werner und Rudolf Senf: Werner Gerd in Haft seit 22.06.1953 in der MfS-U-Haftanstalt, Franz Werner seit 19.06.1953 und Rudolf Senf seit 20.06.1953 werden angeklagt wegen Boykotthetze gegen demokratische Einrichtungen und Organisationen sowie Kriegshetze betrieben und dadurch den Frieden des Deutschen Volkes und der Welt gefährdet zu haben. Sie haben wüste Hetze gegen die DDR getrieben und waren die Hauptmacher des faschistischen Gewaltaktes in der Bezirkshauptstadt Gera. Sie haben die Arbeiter des NKM, der Teppichfabrik, der Schraubenfabrik und der UNION sowie des RFT-Werkes zu diesem faschistischen Putschversuch aufgefordert, sich gegen die Regierung zu richten, wobei sie eine unter den Werktätigen vorhandene Mißstimmung dazu missbrauchten, einen hinterhältigen Schlag gegen die Einheit Deutschlands und den Frieden Europas zu führen.



1953 - 1958

Der Eisenberger Kreis vereinte ab 1953 Oberschüler und Lehrlinge im konspirativen Kampf gegen das Regime. Sie riefen 1954 zum Wahlboykott auf, malten 1955 Sowjetsterne mit schwarzen Kreuzen und "Freiheit für Deutschland" an Mauern und Wände. Sie verbreiteten Karikaturen von SED-Bonzen, legten russischsprachige Flugblätter vor die sowjetische Kommandantur, forderten Meinungs- und Pressefreiheit. Ihre spektakulärste Tat war ein Brandanschlag gegen den GST-Schießstand 1956 - direkt vor NVA-Gründung. Auch zu den Ungarnereignissen machten sie Aktionen. An der Jenaer Uni folgten nach 1956 weitere Aktivitäten. Dann aber kam es zur Denunziation durch Stasi-Spitzel. Die Staatssicherheit inhaftierte über 40 Mitglieder in Gera. Einige wurden nach Verhören wieder freigelassen, einzelne ließen sich als IM anwerben. In vier Strafprozessen wurden vom Bezirksgericht 24 Zuchthausstrafen ausgesprochen.

Haftstrafen gegen Mitglieder des Eisenberger Kreises: Thomas Ammer (15 Jahre), Peter Herrmann und Johann Frömel (14 Jahre), Ludwig Götz und Friedhelm Fröhlich (8 Jahre), Günter Schwarz (7 Jahre), Eberhard Metzel (4 1/2 Jahre ), Leonhard Hoffmann (4 Jahre), Manfred Ristig und Ferdinand Kopp (3 3/4 Jahre), Joachim Marckstadt und Manfred Wagner (3 1/2 Jahre), Walter Träger (3 1/4 Jahre), Wolfgang Seewald und Roland Peter (3 Jahre), Peter Morgenstern (2 3/4 Jahre), Karl Wruck und Klaus Sump (2 Jahre), Klaus Steinert und Rudolf Rabold (1 3/4 Jahre), Karl Heinz Jagusch, Heinz Steudel, Heinz Volkmar und Hubert Gumz (1 1/2 Jahre)